HorseDream in management & training
Oktober 2002

Pferde, die Managern zu einem besseren Führungsstil verhelfen? Wie mag das gehen? Eine Frage, die sich viele Seminarteilnehmer stellen, die zum Führungskräftetraining mit Pferden in den Odenwald*) kommen und sich von Gerhard Krebs und seinen vier Rappwallachen ins Visier nehmen lassen.

Seminartest

Autorin: Elisabeth Hussendörfer

management & training

 



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Meist dauert es keine zwanzig Minuten und selbst Skeptiker sind überzeugt: Ja, die Vierbeiner können uns eine Menge über unser Verhalten verraten. Spiegeln Unsicherheiten, entlarven Schauspielertricks - so raffiniert, wie es kaum ein menschlicher Trainer hinbekommt.

Seminartag eins, zweite Übungseinheit. Benetton hat keine Lust. "Wieso soll ich um den Ständer rum laufen, wenn es auch anders geht?", scheint er zu fragen. Seine Hufe, so möchte man glauben, sind aus Blei und der Boden ist ein Magnet. Keinen Zentimeter bewegt der Wallach sich nach vorne. Seine Augen blitzen hellwach, seine Ohren stehen auf Empfang - und der ist überall, nur nicht bei Sarah. Sarah ist 33, Marketingmanagerin in einem großen Industriekonzern und Teilnehmerin des Intensivseminars "Führungskräftetraining mit Pferden". Sie zieht am Strick, sie lässt ihn locker, redet gut zu, tätschelt liebevoll - keine Reaktion. Nachher wird sie sagen, dass Benetton stehen geblieben ist, weil sie einen Moment lang nicht mental bei der Sache war. "Im Grunde ist das ganz ähnlich wie mit meinen Mitarbeitern," glaubt sie. "Wenn ich ihnen meine ganze Aufmerksamkeit schenke, klappt die Zusammenarbeit. Wenn ich dagegen mit Kopf und Herz woanders bin, sind Kommunikationsprobleme vorprogrammiert."

Pferde spüren den Charakter eines Menschen

Kommunikation - großes Wort. Es ist das alte Lied vom Senden und Empfangen. Wenn falsche Signale ausgesendet werden, kommt es zu Missverständnissen. Bei der Arbeit mit Pferden wird das deutlich wie sonst kaum irgendwo. "Die Vierbeiner verhalten sich nicht richtig oder falsch, sondern ihrer Art entsprechend", erklärt Gerhard Krebs, der selbst Manager ist und die Trainings an Wochenenden gemeinsam mit seiner Frau Karin durchführt. Vor sechs Jahren entwickelten die beiden das so genannte "HorseDream-Konzept" autodidaktisch und unabhängig von der PferdeflüstererWelle, die erst viel später durch den gleichnamigen Kinofilm von den USA nach Deutschland schwappte. Noch tun sich hierzulande viele Firmen schwer damit, ihren Mitarbeitern die Kosten für die Seminare zu bezahlen - zu exotisch erscheint ihnen der Gedanke, Führungskräfte mit Hilfe von Pferden zu schulen.

Um die hundert Führungskräfte kommen jährlich zum Ehepaar Krebs auf die Fenwick-Farm. Die Seminare eignen sich für Nicht-Reiter genauso wie für Reiter, für Einzelpersonen wie für ganze Abteilungen eines Unternehmens. Gerhard Krebs hat seine vier schwarzen Friesenwallache für die Durchführung der Übungen nicht speziell trainiert. "Alles, was zwischen ihnen und den Teilnehmern abläuft, ist reinste Kommunikation", erklärt er.

Das Konzept des Trainings klingt simpel: Als Fluchttiere sind Pferde sehr sensibel. Sie kämpfen in der Herde um ihren Platz in der Hierarchie, ordnen sich aber bereitwillig demjenigen unter, dem sie aufgrund seiner charakterlichen und mentalen Eigenschaften die Führung zutrauen.

Herkömmliche Mittel und Methoden der verbalen Kommunikation? Helfen im Umgang mit den Vierbeinern nicht weiter. Name, Titel, Stellung im Unternehmen? Wen interessiert das? "Pferde merken, ob ein Mensch aus sich heraus sicher oder unsicher ist, Selbstbewusstsein besitzt oder sich hinter einer Maske versteckt", sagt Gerhard Krebs. "Ihr Feedback kommt ehrlich, vorurteilslos und prompt." Gut möglich, dass ein Pferd einen betont energisch auftretenden Manager, der innerlich unruhig und unkonzentriert ist, wie Luft behandelt. Bei einem anderen, der längst nicht so viel Wind macht, dafür aber präsent ist, genügt dagegen schon ein gedachter Befehl.

Rangordnung der Pferde

Auf der Fenwick-Farm, wo über vierzig Pferde in geräumigen Ställen und auf endlosen Weiden ihr Zuhause haben, kann man gut beobachten, nach welchen Gesetzen die Rangordnung der Vierbeiner funktioniert. Die Co-Trainer von Gerhard und Karin Krebs, Bosse, Lüttje, Benetton und Benny, wurden gerade von der Koppel geholt und in die Reithalle geführt. "Was glaubt ihr, wer ist hier der Boss?" fragt Gerhard Krebs. Es muss Benetton sein, denn er ist am größten und elegantesten und stellt sich immer wieder auf die Hinterbeine, um den anderen Pferden zu imponieren. Gerhard Krebs schüttelt den Kopf. "Benetton macht sich wichtig, sein Benehmen zeugt von Unterlegenheit. Benny hat das Sagen." Benny? Der ist klein, dick und steht die meiste Zeit in der Ecke. Aber er hat Ausstrahlung, die anderen Pferde respektieren ihn, das stimmt. "Wer führt, muss nicht unbedingt immer ganz vorne sein," sagt Karin Krebs. "Genauso wie man nicht autoritär sein muss, um Autorität zu haben."

Bei einer Respekts- und Vertrauensübung wird das ganz deutlich. Im Picadero, einer zehn mal zehn Meter großen Fläche, treiben die Teilnehmer ein Pferd mit einer Fahne im Kreis herum. Wichtig: Aufrecht gehen, den Arm heben. Wenn das Pferd Kooperationsbereitschaft zeigt, senkt es den Kopf. Uwe, ein 55-jähriger Personalberater, hat Benny keine zwei Minuten lang im Schrit um sich herum laufen lassen, schon dehnt das Tier seinen Hals in Richtung Boden. Uwe lässt die Fahne auf den Boden fallen, da stoppt Benny, dreht sich um hundertachtzig Grad und läuft auf ihn zu. Doch damit nicht genug: Als Uwe losläuft, schließt sich der Wallach ihm an, folgt ihm auf Schritt und Tritt.

Ohne Leine führen

Eine eindrückliche Situation. "Man kann auch ohne Leine führen", kommentiert Gerhard Krebs. Später bei der Videoanalyse erklärt er: "Uwe hat Bennys Vertrauen gewonnen. Er hat dem Pferd seine Dominanz gezeigt und wirkte glaubwürdig." Uwe freut sich, denn genau das hat er zu Beginn des Seminars als sein Hauptziel definiert: Er will Vorbild sein. Die Mitarbeiter sollen ihm Kraft seiner Persönlichkeit vertrauen. Über das Medium Pferd scheint er seinem Ziel ein Stückchen näher gekommen zu sein.

Die Videoanalyse wirkt Wunder. Wenn man die Aufnahmen in Zeitlupe abspielt, erkennt man Details, die einem sonst nie bewusst würden. Eine 40-jährige Unternehmensberaterin will Lüttje auf eine Plastikplane führen und schaut das Tier dabei kein einziges Mal an. Sie hat die Führleine straff angezogen, doch das hilft ihr nicht, weil sie mit Ausnahme dieser Leine keinerlei Kontakt zum Pferd hat. Dass Lüttje vor der Plane stehen bleiben würde, haben die anderen Teilnehmer schon geahnt, bevor die Übung tatsächlich schief ging. Die Unternehmensberaterin gibt zu, dass sie im Job ein ähnliches Problem hat: "Ich verlange etwas von einem Mitarbeiter, sehe das Ziel klar vor Augen, bin aber mit dem Kopf schon wieder ganz woanders, während ich meine Anweisungen gebe."

Die Fehler bei sich selbst suchen. Wegkommen vom Denken "die anderen sind Schuld", darum geht es im Seminar. Natürlich lässt sich das Verhalten von Pferden nicht eins zu eins auf das Verhalten von Mitarbeitern in einem Unternehmen übertragen. Kein Mensch reagiert auf Führungsschwäche derart direkt wie sie. Trotzdem kann wohl kein anderes Tier dem Menschen so gut einen Spiegel vorhalten. "Pferde schmeicheln nicht, sind nicht höflich, aber fast immer kooperativ", sagt Gerhard Krebs.

Selbsterkenntnis ist wichtig

Auf den ersten Blick scheinen die vier Wallache die Hauptprotagonisten der HorseDream-Seminare zu sein, doch bei genauem Hinsehen spielen sie gerade mal eine Nebenrolle. "Die Pferde sind ein Medium", erklärt Gerhard Krebs. "Sie stubsen uns mit ihrer weichen Nase auf allerlei blinde Flecken in unserer Selbstwahrnehmung." Diese Selbstwahrnehmung sei ein ganz wichtiger Aspekt des Seminars: "Es geht nicht darum, dass irgendwer den Teilnehmern sagt, was sie falsch machen. Es geht darum, dass die Teilnehmer sich selbst erkennen."

Die berufliche Kompetenz eines Menschen, da sind Gerhard und Karin Krebs überzeugt, ergibt sich aus seinem inneren Wesen und seinem Charakter. Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch führt anders. Es macht keinen Sinn bestimmte Taktiken bei anderen Teilnehmern abzuschauen und nachzumachen, denn die Pferde spüren sofort, wenn jemand schauspielert. Das ist auch der Grund, weshalb Karrieristen auf der Fenwick-Farm fehl am Platze sind. Wer von sozialer Fähigkeit und emotionaler Intelligenz redet und in Wirklichkeit nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, wird durch das Verhalten der Vierbeiner sofort entlarvt. Spielchen, die in einzelnen Unternehmen vielleicht funktionieren mögen - tricksen, bluffen, intrigieren - bleiben wirkungslos.

"Wer führt, das zeigen die Pferde, muss eigentlich anderen dienen. Er muss der Gemeinschaft dienen, dem Unternehmen als Ganzes", so Gerhard Krebs.

Gesamtwert für das Seminar: 1,7 (nach Schulnotensystem)

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