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Pferde, die Managern zu einem
besseren Führungsstil verhelfen? Wie mag das gehen? Eine Frage, die sich viele
Seminarteilnehmer stellen, die zum Führungskräftetraining mit Pferden in den Odenwald
kommen und sich von Gerhard Krebs und seinen vier Rappwallachen ins Visier nehmen lassen.
Seminartest
Autorin:
Elisabeth Hussendörfer
Meist dauert es keine zwanzig
Minuten und selbst Skeptiker sind überzeugt: Ja, die Vierbeiner können uns eine Menge
über unser Verhalten verraten. Spiegeln Unsicherheiten, entlarven Schauspielertricks - so
raffiniert, wie es kaum ein menschlicher Trainer hinbekommt.
Seminartag eins, zweite Übungseinheit. Benetton hat keine
Lust. "Wieso soll ich um den Ständer rum laufen, wenn es auch anders geht?",
scheint er zu fragen. Seine Hufe, so möchte man glauben, sind aus Blei und der Boden ist
ein Magnet. Keinen Zentimeter bewegt der Wallach sich nach vorne. Seine Augen blitzen
hellwach, seine Ohren stehen auf Empfang - und der ist überall, nur nicht bei Sarah.
Sarah ist 33, Marketingmanagerin in einem großen Industriekonzern und Teilnehmerin des
Intensivseminars "Führungskräftetraining mit Pferden". Sie zieht am Strick,
sie lässt ihn locker, redet gut zu, tätschelt liebevoll - keine Reaktion. Nachher wird
sie sagen, dass Benetton stehen geblieben ist, weil sie einen Moment lang nicht mental bei
der Sache war. "Im Grunde ist das ganz ähnlich wie mit meinen Mitarbeitern,"
glaubt sie. "Wenn ich ihnen meine ganze Aufmerksamkeit schenke, klappt die
Zusammenarbeit. Wenn ich dagegen mit Kopf und Herz woanders bin, sind
Kommunikationsprobleme vorprogrammiert."
Pferde spüren den Charakter eines Menschen
Kommunikation - großes Wort. Es ist das alte Lied vom
Senden und Empfangen. Wenn falsche Signale ausgesendet werden, kommt es zu
Missverständnissen. Bei der Arbeit mit Pferden wird das deutlich wie sonst kaum irgendwo.
"Die Vierbeiner verhalten sich nicht richtig oder falsch, sondern ihrer Art
entsprechend", erklärt Gerhard Krebs, der selbst Manager ist und die Trainings an
Wochenenden gemeinsam mit seiner Frau Karin durchführt. Vor sechs Jahren entwickelten die
beiden das so genannte "HorseDream-Konzept" autodidaktisch und unabhängig von
der PferdeflüstererWelle, die erst viel später durch den gleichnamigen Kinofilm von den
USA nach Deutschland schwappte. Noch tun sich hierzulande viele Firmen schwer damit, ihren
Mitarbeitern die Kosten für die Seminare zu bezahlen - zu exotisch erscheint ihnen der
Gedanke, Führungskräfte mit Hilfe von Pferden zu schulen.
Um die hundert Führungskräfte kommen jährlich zum
Ehepaar Krebs auf die Fenwick Farm. Die Seminare eignen sich für Nicht-Reiter genauso wie
für Reiter, für Einzelpersonen wie für ganze Abteilungen eines Unternehmens. Gerhard
Krebs hat seine vier schwarzen Friesenwallache für die Durchführung der Übungen nicht
speziell trainiert. "Alles, was zwischen ihnen und den Teilnehmern abläuft, ist
reinste Kommunikation", erklärt er.
Das Konzept des Trainings klingt simpel: Als Fluchttiere
sind Pferde sehr sensibel. Sie kämpfen in der Herde um ihren Platz in der Hierarchie,
ordnen sich aber bereitwillig demjenigen unter, dem sie aufgrund seiner charakterlichen
und mentalen Eigenschaften die Führung zutrauen.
Herkömmliche Mittel und Methoden der verbalen
Kommunikation? Helfen im Umgang mit den Vierbeinern nicht weiter. Name, Titel, Stellung im
Unternehmen? Wen interessiert das? "Pferde merken, ob ein Mensch aus sich heraus
sicher oder unsicher ist, Selbstbewusstsein besitzt oder sich hinter einer Maske
versteckt", sagt Gerhard Krebs. "Ihr Feedback kommt ehrlich, vorurteilslos und
prompt." Gut möglich, dass ein Pferd einen betont energisch auftretenden Manager,
der innerlich unruhig und unkonzentriert ist, wie Luft behandelt. Bei einem anderen, der
längst nicht so viel Wind macht, dafür aber präsent ist, genügt dagegen schon ein
gedachter Befehl.
Rangordnung der Pferde
Auf der Fenwick.Farm, wo über vierzig Pferde in
geräumigen Ställen und auf endlosen Weiden ihr Zuhause haben, kann man gut beobachten,
nach welchen Gesetzen die Rangordnung der Vierbeiner funktioniert. Die Co-Trainer von
Gerhard und Karin Krebs, Bosse, Lüttje, Benetton und Benny, wurden gerade von der Koppel
geholt und in die Reithalle geführt. "Was glaubt ihr, wer ist hier der Boss?"
fragt Gerhard Krebs. Es muss Benetton sein, denn er ist am größten und elegantesten und
stellt sich immer wieder auf die Hinterbeine, um den anderen Pferden zu imponieren.
Gerhard Krebs schüttelt den Kopf. "Benetton macht sich wichtig, sein Benehmen zeugt
von Unterlegenheit. Benny hat das Sagen." Benny? Der ist klein, dick und steht die
meiste Zeit in der Ecke. Aber er hat Ausstrahlung, die anderen Pferde respektieren ihn,
das stimmt. "Wer führt, muss nicht unbedingt immer ganz vorne sein," sagt Karin
Krebs. "Genauso wie man nicht autoritär sein muss, um Autorität zu haben."
Bei einer Respekts- und Vertrauensübung wird das ganz
deutlich. Im Picadero, einer zehn mal zehn Meter großen Fläche, treiben die Teilnehmer
ein Pferd mit einer Fahne im Kreis herum. Wichtig: Aufrecht gehen, den Arm heben. Wenn das
Pferd Kooperationsbereitschaft zeigt, senkt es den Kopf. Uwe, ein 55-jähriger
Personalberater, hat Benny keine zwei Minuten lang im Schrit um sich herum laufen lassen,
schon dehnt das Tier seinen Hals in Richtung Boden. Uwe lässt die Fahne auf den Boden
fallen, da stoppt Benny, dreht sich um hundertachtzig Grad und läuft auf ihn zu. Doch
damit nicht genug: Als Uwe losläuft, schließt sich der Wallach ihm an, folgt ihm auf
Schritt und Tritt.
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Ohne Leine führen
Eine eindrückliche Situation. "Man kann auch ohne
Leine führen", kommentiert Gerhard Krebs. Später bei der Videoanalyse erklärt er:
"Uwe hat Bennys Vertrauen gewonnen. Er hat dem Pferd seine Dominanz gezeigt und
wirkte glaubwürdig." Uwe freut sich, denn genau das hat er zu Beginn des Seminars
als sein Hauptziel definiert: Er will Vorbild sein. Die Mitarbeiter sollen ihm Kraft
seiner Persönlichkeit vertrauen. Über das Medium Pferd scheint er seinem Ziel ein
Stückchen näher gekommen zu sein.
Die Videoanalyse wirkt Wunder. Wenn man die Aufnahmen in
Zeitlupe abspielt, erkennt man Details, die einem sonst nie bewusst würden. Eine
40-jährige Unternehmensberaterin will Lüttje auf eine Plastikplane führen und schaut
das Tier dabei kein einziges Mal an. Sie hat die Führleine straff angezogen, doch das
hilft ihr nicht, weil sie mit Ausnahme dieser Leine keinerlei Kontakt zum Pferd hat. Dass
Lüttje vor der Plane stehen bleiben würde, haben die anderen Teilnehmer schon geahnt,
bevor die Übung tatsächlich schief ging. Die Unternehmensberaterin gibt zu, dass sie im
Job ein ähnliches Problem hat: "Ich verlange etwas von einem Mitarbeiter, sehe das
Ziel klar vor Augen, bin aber mit dem Kopf schon wieder ganz woanders, während ich meine
Anweisungen gebe."
Die Fehler bei sich selbst suchen. Wegkommen vom Denken
"die anderen sind Schuld", darum geht es im Seminar. Natürlich lässt sich das
Verhalten von Pferden nicht eins zu eins auf das Verhalten von Mitarbeitern in einem
Unternehmen übertragen. Kein Mensch reagiert auf Führungsschwäche derart direkt wie
sie. Trotzdem kann wohl kein anderes Tier dem Menschen so gut einen Spiegel vorhalten.
"Pferde schmeicheln nicht, sind nicht höflich, aber fast immer kooperativ",
sagt Gerhard Krebs.
Selbsterkenntnis ist wichtig
Auf den ersten Blick scheinen die vier
Wallache die Hauptprotagonisten der HorseDream-Seminare zu sein, doch bei genauem Hinsehen
spielen sie gerade mal eine Nebenrolle. "Die Pferde sind ein Medium", erklärt
Gerhard Krebs. "Sie stubsen uns mit ihrer weichen Nase auf allerlei blinde Flecken in
unserer Selbstwahrnehmung." Diese Selbstwahrnehmung sei ein ganz wichtiger Aspekt des
Seminars: "Es geht nicht darum, dass irgendwer den Teilnehmern sagt, was sie falsch
machen. Es geht darum, dass die Teilnehmer sich sekbst erkennen."
Die berufliche Kompetenz eines Menschen, da sind Gerhard
und Karin Krebs überzeugt, ergibt sich aus seinem inneren Wesen und seinem Charakter.
Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch führt anders. Es macht keinen Sinn bestimmte
Taktiken bei anderen Teilnehmern abzuschauen und nachzumachen, denn die Pferde spüren
sofort, wenn jemand schauspielert. Das ist auch der Grund, weshalb Karrieristen auf der
Fenwick-Farm fehl am Platze sind. Wer von sozialer Fähigkeit und emotionaler Intelligenz
redet und in Wirklichkeit nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, wird durch das
Verhalten der Vierbeiner sofort entlarvt. Spielchen, die in einzelnen Unternehmen
vielleicht funktionieren mögen - tricksen, bluffen, intrigieren - bleiben wirkungslos.
"Wer führt, das zeigen die Pferde, muss eigentlich
anderen dienen. Er muss der Gemeinschaft dienen, dem Unternehmen als Ganzes", so
Gerhard Krebs.
Gesamtwert für das Seminar: 1,7 (nach
Schulnotensystem)
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