HorseDream Change Management
Horse Assisted Appreciative Inquiry (AI)

Seminarvideos

Horse Assisted Education: Distance and Nearness

 

 

Magdalena Broich, Julia Eppler, Freiburg.

Als Auszug aus der Arbeit das Interview der Diplomandinnen mit HorseDream.

Zur Person und Ihrer Institution:

  1. Alter?

Die G&K HorseDream GmbH wurde am 15. August 1996 gegründet von Gerhard J. Krebs, geb. 12. September 1949 und Karin Krebs, geb. 21. April 1955. Steffen Krebs, geb. 11. Juli 1982 trat als dritter Gesellschafter 2007 in das Unternehmen ein.

  1. Beruflicher Werdegang (Ausbildung, Studium...)

Gerhard J. Krebs studierte Literatur-, Sprach- und Politikwissenschaften mit Abschluss Magister Artium an der Universität Hamburg, arbeitete danach in einer Werbeagentur, im Munzinger Archiv, als Geschäftsführer einer Bildschirmtext-Agentur und im Produktmanagement eines großen Internet-Providers.

Karin Krebs absolvierte eine Ausbildung zur Bankkauffra bei der Deutschen Bank in Stuttgart, arbeitete anschließend als Bankkauffrau und – neben ihrer Aufgabe als Mutter zweier Kinder – teilzeit als Personalverantwortliche.

Steffen Krebs studierte Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Darmstadt und arbeitete parallel in der Online-Readktion und im Qualitätsmangement eines großen Internet-Providers.

  1. Ziele Ihrer Organisation/Organisationsphilosophie

Gegenstand des Unternehmens laut Gesellschaftsvertrag ist „die Durchführung von Seminaren, die Entwicklung und Vermarktung von Freizeit- und Regenrationskonzepten sowie die Entwicklung und Vermarktung von Kommunikationslösungen.“ Dazu setzt die G&K HorseDream GmbH Pferde als Lernpartner und Trainer ein.

Die Unternehmens- bzw. Seminarleitung ist für das gesamte Setting der Veranstaltungen, für die Sicherheit, die Theorie-Inputs, die Begleitung der Lernprozesse und für die Hilfe des Transfers in den beruflichen und persönlichen Alltag der Teilnehmer bzw. für die Auswertung der Ergebnisse in Firmenseminaren verantwortlich. Die Pferde sind die „eigentlichen Trainer“, mit deren Aktion und Reaktion sich die Teilnehmer in einem offenen, selbst bestimmten, experimentellen und emotionalen Lernfeld bewegen.

Ziele des Lernprozesses werden nicht definiert, es sei denn sie sind durch firmeninterne Fragestellungen vorgegeben. Den Lernergebnissen liegt jedoch eine werteorientierte Verhaltensmatrix zugrunde. Insofern wird in allen Seminaren unter anderem an folgendem gearbeitet: Vertrauen aufbauen, an sich und an andere glauben, sich selbst Respekt verdienen und andere respektieren, Ziele erkennen und erreichen, Barrieren bewusst angehen und überwinden, Ängste überwinden, sich durchsetzen.

  1. Beschreiben Sie die Arbeit/Vorgehen ihrer Organisation

Die G&K HorseDream GmbH bietet offene Seminare zu den Themen Führung, Teamentwicklung, Organisationsentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung mit Pferden als Medium und Katalysator an. Über die offenen Seminare wird das Interesse von Unternehmen für die Veranstaltung firmeninterner Seminare und Teamtrainings generiert. Firmeninterne Veranstaltungen finden zu denselben Themenbereichen und zu individuellen Fragestellungen statt.

Daneben gibt das Unternehmen sein Know-how in Train-the-Trainer-Seminaren und in Lizenzierungsworkshops an andere Trainer und Seminarveranstalter weiter, die durch die Teilnahme das Recht erwerben, auf Basis des HorseDream Konzepts selbstständig zu arbeiten. Daraus ist ein weltweites Netzwerk mit (Stand Mai 2009) 50 lizenzierten HorseDream Partnern geworden.

Die G&K HorseDream GmbH hat 2004 die European Association for Horse Assisted Education (EAHAE) gegründet und leitet die Organisation seither als HorseDream Nonprofit-Center. Mission: The European Association for Horse Assisted Education (EAHAE) is a non-profit platform for information, communication, education, certification, research and publication of every kind of Horse Assisted Education. Vision: The vision is to establish and develop Horse Assisted Education as a general form of personal and professional development in (not only European) enterprises, organisations, institutions, societies, and for personal purpose.                             

Motive für die Arbeit mit AI:

  1. Wann und wo war kamen Sie das erste Mal mit AI in Kontakt/Berührung?

Den ersten Zugang eröffnete uns 2006 ein Beitrag in dem Buch „Raus aus der Führungskrise“  (hrsg. Von Hans Wielens und Paul J. Kohtes).

  1. Wieso gerade AI, wieso interessieren Sie sich für AI?

Die vier D’s des AI-Konzepts, Discovery, Dream, Design und Destiny, stellten sich als sinnvolle Applikation des von uns entwickelten „Integral HorseMapping“ dar. Integral HorseMapping ist ein pferdegestützter Lernprozess, dem Elemente der Organisationsaufstellung, des MindMappings und des Integralen Ansatzes (Ken Wilber u.a.) zu Grunde liegen. Während Integral HorseMapping offen für jede beliebige Fragestellung ist, konzentriert sich die Applikation „AI“ auf Veränderungsprozesse im Unternehmen sowie in davon betroffenen persönlichenen Bereichen.

  1. Wieso auf diese Art und Weise: mit Pferden?

Pferde stellen nach unseren Seminarerfahrungen emotionale „Brücken“ zwischen Menschen dar. Pferde sind damit in der Lage, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Verständnis für Unterschiede zu erzeugen. Veränderungsprozesse, die rational geplant und eventuell schon durchorganisiert sind, können durch das „Lernerlebnis Pferd“ für die Beteiligten emotional erschlossen werden.

Zum Inhalt und dessen Umsetzung:

  1. Welche Voraussetzungen (persönliche und die der Teilnehmer) muss man für die Arbeit mit AI mitbringen?

Beim HorseDream Konzept des „AI“ sind die einzigen Voraussetzungen Offenheit für Neues und Mut zu Experimentieren.

  1. Wie viel Gestaltungsfreiheit lässt Ihnen das Konzept als Moderator?

Innerhalb jeder der vier D-Phasen wird jeweils ein Prozess gestartet bzw. fortgeführt, der von den Pferden und den Teilnehmern getrieben ist. Als Moderatoren lassen wir alles zu und greifen nur ein, wenn die Sicherheit in Frage steht, und zwar die physische genauso wie die emotionale, für Mensch und für Pferd. Es handelt sich also um einen völlig offenen Lernprozess in dem die Teilnehmer gestalten und wir als Moderatoren nach dem Grundsatz handeln: „Trust the horse and trust the process“ (angelehnt an Barbara K. Rector, Adventures in Awareness).

  1. Wie sieht die Umsetzung der einzelnen Phasen aus?

Vorbereitend wird von den Teilnehmern in zwei Pferde-Übungen das Lernen mit Pferden und das Arbeiten mit Symbolen und Metaphern erfahren.

Die vier Phasen werden danach mit gegenständlichen Aufstellungen gestaltet.

Discovery: Im Picadero (Viereck von ca. 10 mal 10 Metern) wird alles mit Gegenständen wie Kegeln, Bällen, Plastikplanen, Stangen aufgebaut, was an der gegenwärtigen Situation im Unternehmen „richtig gut“ ist.

Dream: Die Halle wird mit einem Absperrseil in zwei Hälften geteilt. In der ersten Hälfte der Reithalle wird das, was man sich als Vision vorstellt, aus – weichen – Gegenständen aufgebaut (Gummiringe, Plastikplanen, farbige Stoffsäcke, Bälle usw.).

Design: In der  zweiten Hälfte der Reithalle wird das, was zur Realität werden soll, aus – harten – Gegenständen (Stangen, Plastikteile, Kegel usw.) aufgebaut, wobei das „richtig Gute“ aus der Discovery-Phase berücksichtigt werden soll.

Destiny: Die Absperrung zwischen den Hallenhälften wird entfernt, Dream-Bereich und Design-Bereich werden zu einer Einheit.

Jede der vier Phasen wird mit einer Pferde-Übung „bearbeitet“. Es beginnt mit freien Pferden, gefolgt von am Strick geführten Pferden, einem von hinten an Fahrleinen geführten Pferd mit einem Teilnehmer als „Reiter“ darauf  - bis schließlich zu einem Zweier-Gespann, bei dem ein Teilnehmer auf dem hinteren Pferd sitzend das Vorderpferd an Fahrleinen durch die beiden Bereichen Dream und Design führt.

Hypothese des HorseDream AI Konzepts ist, dass die rational durchdachten Veränderungsprozesse in all ihrer Komplexität im Rahmen der Aufstellungen und der Pferde-Übungen auf emotionale Weise durchlebt werden und daraus gleichermaßen Verständnis und Akzeptanz wie „Veränderung der Veränderung“ wird.

  1. Ihre Anwendungsbereiche von AI?

Die vom HorseDream AI Konzept adressierten Anwendungsbereiche sind jegliche Veränderungsprozesse in Unternehmen - von der Einführung einer neuen IT-Infrastruktur über die Zusammenlegung von Abteilungen bis hin zu Konzernverschmelzungen. Die Teilnehmenden können sowohl die Führungsebene als auch die Teamebene repräsentieren.

Das Konzept lässt sich ebenfalls bei persönlichen Veränderungsprozessen anwenden.

Erfahrungen und Beurteilung von AI:

  1. Welche (positiven, negativen) Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Ansatz des AI gemacht? Feedback!

Das HorseDream AI-Konzept ist erst seit Mai 2008 in der praktischen Erprobung. Es fanden bisher fünf Seminare, alle als offene Veranstaltungen, statt.  Die Erfahrungen und das persönliche Feedback aus diesen Seminaren bestätigen durchweg die Hypothese des Konzepts. Die Evaluation des Konzepts angewandt auf einen firmeninternen Change Management Prozess steht noch aus.

  1. Welche Vorteile hat ihrer Meinung nach der Ansatz des AI im Gegensatz zu anderen Großgruppenverfahren wie z.B. Open Space? Was genau zeichnet AI aus?

AI als „Appreciative Inquiry Summit“ eingereiht in die verschiedenen Formen der Großgruppenmoderation wie Open Space, RTSC-Konferenz (Real Time Strategic Change), World-Café zeichnet sich für uns durch die explizite Fokussierung auf das positive Vorhandene aus.

Der wesentliche Vorteil hierbei liegt für uns in der Möglichkeit, mit Hilfe der Pferde ein emotionales Lernfeld zu schaffen. AI bietet nach unserer Meinung mehr Raum für experimentelles, selbstbestimmtes und emotionales Lernen als die oben genannten Methoden, die wir eher als verbal-rational bestimmt sehen.

  1. Wieso wird AI als offenes Seminar angeboten? Unserer Meinung nach wird AI eigentlich geschlossen angeboten (also auf eine ganze Abteilung oder ein ganzes Unternehmen)!

Die offenen Seminare sind in erster Linie zum Kennenlernen des Konzepts geeignet. Unser Ziel ist, Horse Assisted Change Mangement auf Basis des Konzepts Appreciative Inquiry in Unternehmen zu platzieren.

  1. Wo liegen ihrer Meinung nach die Grenzen oder auch Nachteile von AI?

Die besondere Herausfordeung besteht darin, ein in Deutschland  nicht sehr verbreitetes Change Management Konzept in Verbindung mit zwei noch nicht ausreichend wissenschaftlich untermauerten Ansätzen, der Organisationsaufstellung und der Horse Assisted Education, publik zu machen.  Das ist kein Nachteil oder eine Grenze von AI, sondern bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen ganz normal.

  1. Arbeiten Sie persönlich lieber mit kleinen oder größeren Gruppen (Anzahl der Personen)?

Im konkreten Zusammenhang mit unserem pferdegestützten AI-Konzept  geht es eher um den AI-Einsatz in kleineren Gruppen, wie Führungsebenen und Teams. Sofern die Zahl der Teilnehmenden größer als 20 wird, würde die Gesamtgruppe in Kleingruppen geteilt werden, die parallel arbeiten, jede Gruppe mit eigenen Pferden und eigenen Moderatoren.

  1. Gelingt es Ihnen, Kritiker von der Nützlichkeit/Nachhaltigkeit Ihrer Seminare mit AI zu überzeugen, wie gehen Sie dabei vor?

Bisher haben Kritiker unseren Ansatz noch gar nicht wahr genommen. Die offenen Seminare werden von Interessenten „freiwillig“ gebucht.

Zukunft:

  1. Wie sehen Sie die Zukunft von AI im deutschsprachigen Raum?

Da HorseDream keine Seminare und Trainings ohne Pferdeunterstützung veranstaltet, wird AI von uns lediglich als eine Applikation unseres Konzepts „Integral HorseMapping“ betrachtet. Wir haben damit eine sehr konkrete Anwendung entwickelt, die organisatorische wie persönliche Veränderungen zu verstehen und zu meistern hilft. Das könnte im besten Falle  dazu beitragen, dass Unternehmen anschließend an ein Horse Assisted Change Management Seminar an den klassischen Methoden des AI Interesse finden.

  1. Was kann man Ihrer Meinung nach in Zukunft verändern/verbessern?

Bezogen auf das HorseDream AI-Konzept wird es mit jedem weiteren Seminar zu Veränderungen / Verbesserungen kommen. Zur Zeit wird insbesondere am Symbolcharakter der Aufstellungsgegenstände und an der Verzahnung der Phasen Design und Destiny gearbeitet.

  1. Welche Tipps oder Empfehlungen geben Sie Menschen, die mit AI arbeiten wollen?

Wer mit AI arbeiten möchte, sollte am besten mit dem Studium des „Appreciative Inqnuiry Handbook“ von David Cooperrider, Diana Whitney, Jacqueline M. Stavros beginnen.

Persönliches Fazit….AI und die persönliche Entwicklung:

  1. Was haben Sie persönlich durch die Arbeit mit AI gelernt bzw. wie hat AI zu Ihrer persönlichen Entwicklung beigetragen?

In den offenen HorseDream AI-Seminaren arbeitet man, anders als in einem firmeninternen Seminar, nur beispielhaft an einem oder zwei konkreten Veränderungsprozessen von Teilnehmern, die sich freiwillig als Probanden zur Verfügung stellen. Alle anderen Teilnehmer haben die schwierige Aufgabe, ihren eigenen Veränderungsprozess auf die Beispiel-Prozesse zu mappen. In derselben Situation befinden wir uns auch als Seminarleiter. Wir erleben in jedem Seminar die Veränderungen mit: die Veränderung der Teilnehmer, der Pferde, des gesamten Settings. Daraus entwickelt sich für uns kontinuierlich ein neuer Umgang mit Veränderungen. Ganz konkret bedeutet das: wir leben und arbeiten viel stärker als vorher „im Fluss“. Uns wird immer wieder bewusst, dass Entscheidungen im Veränderungsprozess nicht mit Kriterien wie „richtig“ oder „falsch“ beurteilt werden können. Eine Entscheidung, die ich heute treffe, führt zu Ergebnissen, deren Komplexität ich im Moment der Entscheidung nicht überblicke. Intuition ist gefragt. Die Pferde zeigen das jedes Mal aufs Neue.