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Ob das Personal tatsächlich mitarbeitet, hängt von vielen Faktoren
ab. Im Führungskräfte-seminar von HorseDream zeigen Pferde Unter-nehmern,
woran es bei ihrem Führungsstil mangelt. Autorin:
Gudrun Bergdolt
Es geht hier nicht um Pferde, sondern um Menschen.
Beinahe gebetsmühlenartig wiederholt Gerhard Krebs diesen Satz, während des
fast eineinhalbtägigen Führungstrainingseminars mit Pferden in Kröpelin (OT Klein Nienhagen) im
Odenwald. Die sechs Seminarteilnehmer, darunter drei selbständige
Unternehmer, scheinen nicht so recht überzeugt. Denn Gerhard Krebs stellt
ihnen Aufgaben in Aussicht, die sie fernab von Schlipszwang und schläfrig
vertrauter Seminaratmosphäre in der Reithalle der Fenwick Farm mit Pferden
absolvieren sollen.
„Es gibt keine Tricks, mit denen man die Pferde zu etwas bewegen kann", sagt
Krebs. Kommunikation mit Pferden funktioniere auf einer anderen Ebene und
ohne Ansehen der Person, „den Pferden ist egal, wer vor ihnen steht".
Die Erwartungen, wie die Pferde wohl auf jeden Einzelnen reagieren werden,
steigen. „Was, wenn das Pferd mich ignoriert?", fragen sich einige. Ein
wenig Unsicherheit macht sich breit. Hinzu kommt, dass die meisten das
letzte Mal als Kind auf einem Pony gesessen sind.
Doch Krebs beruhigt. Mit seinem Seminarkonzept ist er seit sieben Jahren auf
dem Markt. Es ist so behutsam aufgebaut wie die Führungsmethode, die er
propagiert. „Führen heißt, Mitarbeiter dazu befähigen, selbständig, mutig
und risikobereit auf ein Ziel zuzugehen", so sein Credo. Und die
Führungskraft, egal ob Chef oder Manager, hat seiner Ansicht nach die
Aufgabe, das entsprechende Umfeld dafür zu schaffen.
Am Vorabend diskutieren Gerhard Krebs und seine Frau, Co-Seminarleiterein
Karin Krebs, unterschiedliche Führungsleitbilder mit den Teilnehmern. So
lernt das Ehepaar Krebs die bunt zusammen gewürfelte Gruppe kennen.
Der nächste Tag von „HorseDream Classic", so der Name des Seminars, beginnt
mit Schreibarbeit. Die Teilnehmer führen ihre Stärken und Schwächen im
Umgang mit Mitarbeitern oder auch als Privatperson auf, berichten über
Führungsfehler und beurteilen sich selbst. Dann folgt die Praxis in der
Reithalle.
Praktische Übungen
Zuerst sollen alle die vier Pferde Benny, Lüttje, Benetton und Bosse
beobachten und die Rangordnung herausfinden. Die Mehrheit tippt auf
Benetton, den Schönsten der vier stolzen Friesenpferde. „Von seinem Gehabe
lassen sich viele beeindrucken", sagt Karin Krebs, „aber der echte Chef ist
der wesentlich ruhigere und kleinere Benny."
Die erste praktische Übung: Die Teilnehmer sollen zuerst Vertrauen zu
einem der Pferde herstellen und es um die vier Pfosten in der Halle
herumführen. Gerhard Krebs filmt die Übung.
Dazwischen Anschauungsunterricht. Was der 53-jährige Seminarleiter vormacht,
scheint ganz einfach. Beinahe tänzelnd bewegt er sich vor den Pferden her.
Und egal ob mit oder ohne Strick am Halfter, sie folgen ihm einmal rechts
oder links herum, ganz wie er es ihnen allein mit seiner Körperhaltung
signalisiert.
Doch das klappt nicht bei jedem. An
der Hand manches Seminarteilnehmers
scheinen die etwa 700 Kilogramm schweren Friesen wie angewurzelt. Nachher
sehen sich alle die Aufnahmen an. Meist ist ganz deutlich zu sehen, warum
eine Übung klappt oder nicht.
Die beste Erklärung liefert ein Unternehmer, dessen Handy während einer
Übung klingelt. „Gedanklich war ich sofort bei meiner Firma", sagt er später
bei der Auswertung des Videos. Damit war seine Konzentration auf das Ziel
verloren. Das Pferd blieb stehen.
Das Pferd als Spiegel
Vor den Übungen am Nachmittag „Distanz und Nähe" sowie „Zielorientierung"
stimmt das Ehepaar Krebs die Teilnehmer erneut auf ihre Aufgaben ein.
„Respekt verschaffe ich mir nur, wenn ich andere respektiere, sie ernst
nehme und ihnen zuhöre", sagt Gerhard Krebs. Und das Ziel? „Wer nicht genau
weiß, wohin er will, zeigt das auch unbewusst seinen Mitarbeitern", sagt er,
„die Pferde sind nur der Spiegel dessen."
Und siehe da. bei voller Konzentration auf das Gegenüber - in diesem Fall
auf das Pferd -, bei klarer Zielvorstellung und eindeutiger Kommunikation,
was sich in der Körpersprache zeigt, lassen sich die Pferde bereitwillig
über Hindernisse führen. Bei der Abschlussübung gehen die Pferde über eine
auf dem Boden ausgelegte Plane, stellen sich drauf oder sie schnuppern nur
an ihr, je nachdem, welches Ziel ihr Begleiter hat.
Die Stimmung während der Abschlussanalyse am späten Nachmittag ist gemischt.
Es gibt begeisterte Reaktionen, wie „so ein Seminar ist mit nichts zu
vergleichen", aber auch etwas nachdenklichere Töne: „Das muss ich jetzt erst
mal auf mich wirken lassen." Fasziniert von der Methode sind alle, „denn man
merkt ,sofort, wie man ist, und bekommt auch gleich eine unmittelbare
Rückmeldung von den Pferden." Zur Nachbereitung verschickt Gerhard Krebs an
jeden Teilnehmer einen Zusammenschnitt der aufgenommenen Übungen.
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HM-INTERVIEW
„Keiner hat Führen gelernt"
hm: Wie haben Sie selbst im Berufsleben Führung erfahren?
Krebs: Ich hatte lange Zeit einen patriarchalischen Chef, der gleichzeitig
viel Freiheit zugelassen hat. Das hat mich sehr geprägt. Mit 34 habe ich
mich dann selbständig gemacht.
hm: Welche Defizite stellen Sie bei Unternehmerinnen und Unternehmern im
Führungsverhalten fest
Krebs: Obwohl Unternehmer wissen, dass jeder Mitarbeiter anders ist,
behandeln sie jeden mit derselben Methode. So bekommen Sie nie das, was sie
von ihren Mitarbeitern verlangen. Denn sie werden immer einige über-, andere
unterfordern und wieder andere gar nicht wahrnehmen.
hm: Kennen Sie die Ursachen für diese Defizite
Krebs: In keiner Phase seiner Ausbildung lernt man führen. Es gibt kaum
Angebote, die auch soziale Kompetenz vermitteln oder sie schulen.
hm: Viele Unternehmer haben einfach zu wenig Zeit oder stehen ständig unter
Druck.
Krebs: Zeit ist eine Frage der Priorität. Wenn der Mensch keinen hohen
Stellenwert hat, habe ich erstens keine Zeit für meine Mitarbeiter und nehme
sie auch gar nicht wahr. Was die Frage des momentan spürbaren
wirtschaftlichen Drucks angeht, so haben manche Unternehmer auch falsche
Zielvorstellungen, wie etwa expandieren in einem Markt, in dem das gar nicht
funktionieren kann.
hm: Die Lösung?
Krebs: Unternehmer müssen über unterschiedliche Führungsstile verfügen. Sie
müssen zum Beispiel wissen, wann sie die Zügel fest in die Hand nehmen
müssen.
hm: In Ihrem Seminar gibt es kaum Theorie. Warum?
Krebs: Es gibt unzählige Führungstheorien. Wir verzichten bewusst darauf und
halten es auch nicht für notwendig, denn es handelt sich um einen
pragmatischen Ansatz.
hm: Wie sieht der Lerneffekt aus?
Krebs: Generell verbessert das Seminar die soziale Kompetenz. Aber ein
einheitliches Lernziel gibt es nicht, denn jeder hat eine andere
Persönlichkeit oder befindet sich in einer anderen Situation.
Bessere
Führung, besseres Ergebnis
Vor einem halben Jahr hat Michael Berner, der einen Baustoff- und
Natursteinhandel im württembergischen Lorch führt, das Seminar HorseDream
Classic besucht und ist immer noch begeistert. Die Übungen haben bei ihm
„relativ gut" geklappt. „Wenn man selbst keine klare Richtung vorgibt, dann
verstehen die Pferde das einfach nicht", sagt er.
Wie sich seither sein Führungsverhalten verändert hat? „Früher habe ich
meinen Leuten immer nur schnell schnell Anweisungen gegeben", sagt der
32-Jährige. Das Ergebnis war entsprechend. Beispiel Lagerplatz sauber
machen: „Der war halt hinterher immer noch unordentlich, schließlich wollte
ich ihn ja nur sauber." Heute nimmt sich Michael Berner wesentlich mehr
Zeit. Mit dem Ergebnis, dass seine Mitarbeiter die Anweisungen besser
akzeptieren und gründlicher arbeiten „und das Ergebnis einfach besser ist".
Dass momentan der Druck sehr groß ist, spürt auch der Baustoffhändler. „Aber
wenn ich unsicher bin und den Druck einfach an meine Mitarbeiter weitergebe,
dann ist das nur eine Schwäche von mir", sagt er.
Aus reinem Interesse hatte er das Seminar damals zusammen mit seiner Frau
Petra besucht. „Es ist ganz gut, wenn der Partner dabei ist und man sich auf
eine ganz andere Art kennen lernt", sagt er. Er selbst war schon bei vielen
Führungsseminaren. „Meist reine Theorie", fasst er sie zusammen. „Bei den
Pferden merkt man das Ergebnis sofort."
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