HorseDream im handwerk magazin
Juli 2003

handwerk magazin

 



Jubiläumsangebot


Ob das Personal tatsächlich mitarbeitet, hängt von vielen Faktoren ab. Im Führungskräfte-seminar von HorseDream zeigen Pferde Unter-nehmern, woran es bei ihrem Führungsstil mangelt.

Autorin: Gudrun Bergdolt

Es geht hier nicht um Pferde, sondern um Menschen. Beinahe gebetsmühlenartig wiederholt Gerhard Krebs diesen Satz, während des fast eineinhalbtägigen Führungstrainingseminars mit Pferden in Erbach im Odenwald. Die sechs Seminarteilnehmer, darunter drei selbständige Unternehmer, scheinen nicht so recht überzeugt. Denn Gerhard Krebs stellt ihnen Aufgaben in Aussicht, die sie fernab von Schlipszwang und schläfrig vertrauter Seminaratmosphäre in der Reithalle der Fenwick Farm mit Pferden absolvieren sollen.

„Es gibt keine Tricks, mit denen man die Pferde zu etwas bewegen kann", sagt Krebs. Kommunikation mit Pferden funktioniere auf einer anderen Ebene und ohne Ansehen der Person, „den Pferden ist egal, wer vor ihnen steht".

Die Erwartungen, wie die Pferde wohl auf jeden Einzelnen reagieren werden, steigen. „Was, wenn das Pferd mich ignoriert?", fragen sich einige. Ein wenig Unsicherheit macht sich breit. Hinzu kommt, dass die meisten das letzte Mal als Kind auf einem Pony gesessen sind.

Doch Krebs beruhigt. Mit seinem Seminarkonzept ist er seit sieben Jahren auf dem Markt. Es ist so behutsam aufgebaut wie die Führungsmethode, die er propagiert. „Führen heißt, Mitarbeiter dazu befähigen, selbständig, mutig und risikobereit auf ein Ziel zuzugehen", so sein Credo. Und die Führungskraft, egal ob Chef oder Manager, hat seiner Ansicht nach die Aufgabe, das entsprechende Umfeld dafür zu schaffen.

Am Vorabend diskutieren Gerhard Krebs und seine Frau, Co-Seminarleiterein Karin Krebs, unterschiedliche Führungsleitbilder mit den Teilnehmern. So lernt das Ehepaar Krebs die bunt zusammen gewürfelte Gruppe kennen.

Der nächste Tag von „HorseDream Classic", so der Name des Seminars, beginnt mit Schreibarbeit. Die Teilnehmer führen ihre Stärken und Schwächen im Umgang mit Mitarbeitern oder auch als Privatperson auf, berichten über Führungsfehler und beurteilen sich selbst. Dann folgt die Praxis in der Reithalle.

Praktische Übungen

Zuerst sollen alle die vier Pferde Benny, Lüttje, Benetton und Bosse beobachten und die Rangordnung herausfinden. Die Mehrheit tippt auf Benetton, den Schönsten der vier stolzen Friesenpferde. „Von seinem Gehabe lassen sich viele beeindrucken", sagt Karin Krebs, „aber der echte Chef ist der wesentlich ruhigere und kleinere Benny."

Die erste praktische Übung: Die Teilnehmer sollen zuerst Vertrauen zu einem der Pferde herstellen und es um die vier Pfosten in der Halle herumführen. Gerhard Krebs filmt die Übung.

Dazwischen Anschauungsunterricht. Was der 53-jährige Seminarleiter vormacht, scheint ganz einfach. Beinahe tänzelnd bewegt er sich vor den Pferden her. Und egal ob mit oder ohne Strick am Halfter, sie folgen ihm einmal rechts oder links herum, ganz wie er es ihnen allein mit seiner Körperhaltung signalisiert.

Doch das klappt nicht bei jedem. An der Hand manches Seminarteilnehmers scheinen die etwa 700 Kilogramm schweren Friesen wie angewurzelt. Nachher sehen sich alle die Aufnahmen an. Meist ist ganz deutlich zu sehen, warum eine Übung klappt oder nicht.

Die beste Erklärung liefert ein Unternehmer, dessen Handy während einer Übung klingelt. „Gedanklich war ich sofort bei meiner Firma", sagt er später bei der Auswertung des Videos. Damit war seine Konzentration auf das Ziel verloren. Das Pferd blieb stehen.

Das Pferd als Spiegel

Vor den Übungen am Nachmittag „Distanz und Nähe" sowie „Zielorientierung" stimmt das Ehepaar Krebs die Teilnehmer erneut auf ihre Aufgaben ein. „Respekt verschaffe ich mir nur, wenn ich andere respektiere, sie ernst nehme und ihnen zuhöre", sagt Gerhard Krebs. Und das Ziel? „Wer nicht genau weiß, wohin er will, zeigt das auch unbewusst seinen Mitarbeitern", sagt er, „die Pferde sind nur der Spiegel dessen."

Und siehe da. bei voller Konzentration auf das Gegenüber - in diesem Fall auf das Pferd -, bei klarer Zielvorstellung und eindeutiger Kommunikation, was sich in der Körpersprache zeigt, lassen sich die Pferde bereitwillig über Hindernisse führen. Bei der Abschlussübung gehen die Pferde über eine auf dem Boden ausgelegte Plane, stellen sich drauf oder sie schnuppern nur an ihr, je nachdem, welches Ziel ihr Begleiter hat.

Die Stimmung während der Abschlussanalyse am späten Nachmittag ist gemischt. Es gibt begeisterte Reaktionen, wie „so ein Seminar ist mit nichts zu vergleichen", aber auch etwas nachdenklichere Töne: „Das muss ich jetzt erst mal auf mich wirken lassen." Fasziniert von der Methode sind alle, „denn man merkt ,sofort, wie man ist, und bekommt auch gleich eine unmittelbare Rückmeldung von den Pferden." Zur Nachbereitung verschickt Gerhard Krebs an jeden Teilnehmer einen Zusammenschnitt der aufgenommenen Übungen.

HM-INTERVIEW

„Keiner hat Führen gelernt"

hm: Wie haben Sie selbst im Berufsleben Führung erfahren?

Krebs: Ich hatte lange Zeit einen patriarchalischen Chef, der gleichzeitig viel Freiheit zugelassen hat. Das hat mich sehr geprägt. Mit 34 habe ich mich dann selbständig gemacht.

hm: Welche Defizite stellen Sie bei Unternehmerinnen und Unternehmern im Führungsverhalten fest

Krebs: Obwohl Unternehmer wissen, dass jeder Mitarbeiter anders ist, behandeln sie jeden mit derselben Methode. So bekommen Sie nie das, was sie von ihren Mitarbeitern verlangen. Denn sie werden immer einige über-, andere unterfordern und wieder andere gar nicht wahrnehmen.

hm: Kennen Sie die Ursachen für diese Defizite

Krebs: In keiner Phase seiner Ausbildung lernt man führen. Es gibt kaum Angebote, die auch soziale Kompetenz vermitteln oder sie schulen.

hm: Viele Unternehmer haben einfach zu wenig Zeit oder stehen ständig unter Druck.

Krebs: Zeit ist eine Frage der Priorität. Wenn der Mensch keinen hohen Stellenwert hat, habe ich erstens keine Zeit für meine Mitarbeiter und nehme sie auch gar nicht wahr. Was die Frage des momentan spürbaren wirtschaftlichen Drucks angeht, so haben manche Unternehmer auch falsche Zielvorstellungen, wie etwa expandieren in einem Markt, in dem das gar nicht funktionieren kann.

hm: Die Lösung?

Krebs: Unternehmer müssen über unterschiedliche Führungsstile verfügen. Sie müssen zum Beispiel wissen, wann sie die Zügel fest in die Hand nehmen müssen.

hm: In Ihrem Seminar gibt es kaum Theorie. Warum?

Krebs: Es gibt unzählige Führungstheorien. Wir verzichten bewusst darauf und halten es auch nicht für notwendig, denn es handelt sich um einen pragmatischen Ansatz.

hm: Wie sieht der Lerneffekt aus?

Krebs: Generell verbessert das Seminar die soziale Kompetenz. Aber ein einheitliches Lernziel gibt es nicht, denn jeder hat eine andere Persönlichkeit oder befindet sich in einer anderen Situation.


Bessere Führung, besseres Ergebnis

Vor einem halben Jahr hat Michael Berner, der einen Baustoff- und Natursteinhandel im württembergischen Lorch führt, das Seminar HorseDream Classic besucht und ist immer noch begeistert. Die Übungen haben bei ihm „relativ gut" geklappt. „Wenn man selbst keine klare Richtung vorgibt, dann verstehen die Pferde das einfach nicht", sagt er.

Wie sich seither sein Führungsverhalten verändert hat? „Früher habe ich meinen Leuten immer nur schnell schnell Anweisungen gegeben", sagt der 32-Jährige. Das Ergebnis war entsprechend. Beispiel Lagerplatz sauber machen: „Der war halt hinterher immer noch unordentlich, schließlich wollte ich ihn ja nur sauber." Heute nimmt sich Michael Berner wesentlich mehr Zeit. Mit dem Ergebnis, dass seine Mitarbeiter die Anweisungen besser akzeptieren und gründlicher arbeiten „und das Ergebnis einfach besser ist".

Dass momentan der Druck sehr groß ist, spürt auch der Baustoffhändler. „Aber wenn ich unsicher bin und den Druck einfach an meine Mitarbeiter weitergebe, dann ist das nur eine Schwäche von mir", sagt er.

Aus reinem Interesse hatte er das Seminar damals zusammen mit seiner Frau Petra besucht. „Es ist ganz gut, wenn der Partner dabei ist und man sich auf eine ganz andere Art kennen lernt", sagt er. Er selbst war schon bei vielen Führungsseminaren. „Meist reine Theorie", fasst er sie zusammen. „Bei den Pferden merkt man das Ergebnis sofort."

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