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Radiobeitrag 2001

Seminaranmeldung

Campus & Karriere, Deutschlandfunk

Beitrag von Riccardo Mastrocola, 21.11.2001

O-Ton Sommer: "Ich lass ihn einfach laufen, mach nichts mehr, das hab ich heute gelernt, nur ab und zu zeigen wer der Chef ist, so wie jetzt wenn er vorrennen will, aber sonst brauchste nix mehr zu tun."

Noch nie hat Matthias Sommer vor solch großen stolzen Friesenpferden gestanden. Aber schon vor vielen Entscheidungen, Projekten und wichtigen Planungsgesprächen mit seinen Mitarbeitern. Der 36jährige Inhaber einer Kasseler Maschinenbaufirma hat 50 Angestellte und viel Streß. Er wusste schon vor dem Seminar, dass er viele Fehler im Umgang mit seinen Mitarbeitern macht. Aber welche bloß? Jetzt, gegen Abend, nach vielen Übungen und Erkenntnissen und während sich die Pferde in der Reithalle gemütlich auslaufen, scheint ihm vieles klarer.

O-Ton Sommer: "Großer Fehler von mir ist ich bin ungeduldig, ich setze meine Mitarbeiter unter Druck, auch manchmal mit Mitteln die unter die Gürtellinie gehen, das ist ein ganz großes Manko von mir und letztendlich, teamorientiert, setz ich meinen Dickkopf durch, und das ist sicherlich was, was ich in den nächsten Wochen und Monaten abbauen werde."

Die Friesenpferde auf der Fenwick Farm iim Odenwald stehen meist auf der Koppel und werden geritten, aber nicht als Sport-, Freizeit, oder Schulpferde ausgebildet - sie entfalten stattdessen eine natürliche Stärke, eine Art Selbstbewusstsein und einen eigenen Charakter. Sie sind zwar keine alternativen Gesprächspartner, aber sie kommunizieren auf eine direkte Weise. Namen, Position und berufliche Erfolge der Teilnehmer sind ihnen egal. Die Manager sind bei den Übungen deshalb ganz auf ihre persönliche Ausstrahlung angewiesen, sagt der Kursleiter und Besitzer der Pferde Gerhard Krebs. Die Kurse finden zweimal im Monat statt, in seinem Hauptberuf ist er Produktmanager bei einem Telekommunikationsunternehmen.

O-Ton Krebs: "Die erste Übung, wo der Teilnehmern mit den Pferden konfrontiert wird, sieht nach außen hin völlig banal aus. Wir führen ein Pferd an einem sechs Meter langen Strick durch die Halle um vier Pfeiler herum. Dabei sagen wir: jeden zweiten Pfeiler bitte einmal mit dem Pferden umrunden. Wenn dann die erste Umrundung eines Pfeilers kommt und das Pferd aus welchen Gründen auch immer stehen bleibt sehen wir: Wie reagiert der Teilnehmer?`Versucht er zu loben? Zieht er am Strick? Wechselt er die Richtung?"

Bei der Videoanalyse bekommen die Teilnehmer ihren Führungsstil nochmal vorgesetzt. Auch die Lebensmittelchemikerin Gabi Manger, obwohl sie schon Erfahrung mit Pferden hat, ist überrascht. Sie leitet ein Arbeitsgruppe bei der Stadt Bochum.

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O-Ton Manger: "Es gab insofern eine Schlüsselsituation, dass das Pferd mir signalisiert hatte, ich gehe mit dir und ich habe das erst gar nicht richtig wahrhaben wollen und habe ihn dann trotzdem erst mal angetrieben. Auch die Teilnehmer haben mir das Feedback gegeben, dass ich es in der Tat teilweise zu krass gemacht habe und anders hätte reagieren können."

Natürlich kann man von der Kommunikation mit dem Pferd keine direkten Rückschlüsse ziehen auf die Führung der Mitarbeiter. Aber die Pferde spiegeln die Handlungen der Führungskräfte mit entsprechenden Reaktionen wider.

O-Ton Krebs: "Es sind vier sehr unterschiedliche Pferde. Sie sind charakterlich sehr unterschiedlich und wenn ich in einer zentralen Übung ein Pferd, weil es eher lahm erscheint, um mich rum treibe und in einer anderen Übung mit der derselben Dominanz auftrete, dann läuft mir das Pferd davon. Und wir übertragen solche Verhaltensweisen dann zum Beispiel auf die Situation im Unternehmen, wo ich mit einem Mitarbeiter mit einer bestimmten Art umgehen kann, die einen anderen zum Weglaufen bringt. Und ich verliere damit den Mitarbeiter, ohne dass ich weiß warum eigentlich."

Der ideale Führungsstil: Darum geht es Gerhard Krebs bei diesen Seminaren. Er vermittelt aber keine psychologischen Rezepte oder überlädt seine Teilnehmer mit Führungstheorien. Stattdessen vertraut er auf die Eigenerfahrung der Manager mit den ehrlichen Pferden. Was das in Zukunft für die Mitarbeiter heißt, kann noch keiner von ihnen so richtig formulieren. Zuviel müssen sie verarbeiten - der Tag hat sie nachhaltig beeindruckt.