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Psychologie und Verhalten
Alle mal herhören!
Dominanz ist ein Schlagwort, das mehr
vernebelt, als erhellt (...) Der Duden beschreibt "dominieren" knapp als vor-
oder beherrschen - eine Definition, die zu Grobheiten einlädt. Manche taufen die
komplizierte Angelegenheit daher lieber gleich um. "Ich bevorzuge das Wort
Autorität", sagt der hessische Ausbilder Peter Pfister (...)
Dominanz gegenüber dem Pferd besteht in der Kunst der
souveränen, kleinen Gesten, die vom Pferd nur dann richtig gelesen und befolgt werden,
wenn sie im richtigen Moment kommen. (...) "Pferde decken Führungsschwächen
gnadenlos auf", sagt Gerhard Krebs, 51, aus Brensbach im Odenwald. Der
Kommunikations-Fachmann hat sich auf Seminare spezialisiert, bei denen Top-Manager von
seinen drei Friesen lernen sollen. "Es geht darum, die Balance zwischen laxem
Schleifenlassen der Zügel und autoritärem Führen an kurzer Leine zu vermitteln",
sagt Krebs, dem auch der Automobil-Hersteller Audi bereits Manager in den Stall schickte.
Sie lernen dort, daß präzise Anweisungen vom Pferd sofort
umgesetzt werden. Das geht am besten, wenn der Mensch eine klare Vorstellung hat, was er
gerade vom Pferd möchte. Diffuses Gestikulieren, vage Andeutungen oder Unentschlossenheit
werden dagegen mit Widerstand beantwortet oder ignoriert.
"Wenn im Umgang mit Pferden etwas nicht klappt, liegt
der Fehler immer beim Menschen", sagt Krebs. "Die meisten Chefs haben es sich
leider angewöhnt, die Fehler nur bei ihren Mitarbeitern zu suchen. Bei den Pferden
können sie sich aber nichts mehr vormachen." (...) "Das Verhalten der Pferde
ist immer berechenbar", sagt Krebs. Das macht den Weg zur Chef-Etage leicht;
vorausgesetzt, der Mensch befolgt konsequent einige Regeln. (...)
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Werden diese Regeln im täglichen Umgang
mißachtet, ist der Möchtegern-Macher schnell machtlos (...) "Gewalt
beginnt, wo Wissen endet. Und bei Gewalt hat das Pferd immer die
besseren Argumente", sagt Pfister. Ein Geheimnis der Dominanz besteht
daher darin, ein Pferd nie merken zu lassen, um wieviel stärker es als
der Mensch ist.
Das bedeutet auch, in bestimmten
Situationen auf Dominanz zu verzichten - zum Beispiel immer dann, wenn
das Pferd in Panik gerät oder nicht mehr ansprechbar ist. (...)
Wer mit Pferden umgeht muß vielmehr so
wach sein, daß er Reaktionen seines Pferds vorausahnt. Nur dann kann er
durch festere Zügel oder ein anderes Kommando rechtzeitig eingreifen.
Wer Chef sein will, muß also fix sein
und braucht Eigeninitiative. "Die meisten versuchen, alles 1:1
nachzumachen", sagt Ausbilder Kai Nehring. "Aber sie sollen das Pferd
verstehen und nicht den Ausbilder nachäffen."
Ulrike Dobberthien
(stellvertretende Chefredakteurin)
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